Aufgabenblock — AFB III
Auf dieser Stufe wird nicht mehr nur eingesetzt. Sie prüfen fremde Rechenwege, widerlegen Aussagen, denken Grenzfälle zu Ende, stellen Energiebilanzen auf und vollziehen eine Herleitung nach. Viele Aufgaben haben keine einzelne Zahl als Lösung, sondern verlangen einen begründeten Satz — bei diesen gilt: erst selbst formulieren, dann die Musterlösung öffnen; das Aufklappen zählt als erledigt. Zum Aufwärmen eignen sich Übung AFB I und Übung AFB II.
Eine Spulenwindung mit der Fläche A = 200 cm² liegt in einem Feld der Flussdichte B = 0,40 T. Die Feldrichtung schließt mit der Flächennormalen den Winkel α = 60° ein. Der abgebildete Lösungsweg endet bei „Φ = 0,70 T“ — das kann nicht stimmen.
Prüfen Sie den Rechenweg Zeile für Zeile und markieren Sie jede fehlerhafte Zeile durch Anklicken (oder mit Tabulator und Leertaste). Begründen Sie anschließend jeden Fehler und geben Sie den richtigen Wert an.
Fehlerhafter Rechenweg — falsche Zeilen markieren
Bedienung: Zeile anklicken oder mit Tabulator ansteuern und mit Leertaste bzw. Enter markieren. Erneutes Anklicken hebt die Markierung wieder auf.
Musterlösung — Fehleranalyse anzeigen
Zeile 1 ist richtig: Die gegebenen Größen sind korrekt übernommen, und α ist ausdrücklich der Winkel zwischen Feldrichtung und Flächennormale — genau so, wie die Formel ihn verlangt.
Zeile 2 ist falsch: Bei Flächen geht die Länge zweimal ein, also 1 cm² = 10−4 m². Man teilt durch 10 000, nicht durch 100: A = 200 cm² = 2,0 · 10−2 m². Der Weg war um den Faktor 100 zu groß.
Zeile 3 ist falsch: 0,87 ist der Kosinus von 30°. Richtig ist cos 60° = 0,50 — hier wurden die beiden Merkwerte vertauscht.
Zeile 4 ist richtig: Φ = B · A · cos α ist der korrekte Ansatz.
Zeile 5 ist falsch: Sie übernimmt beide Vorfehler und gibt zusätzlich die falsche Einheit an. Der magnetische Fluss wird in Weber gemessen (1 Wb = 1 T · m²); Tesla ist die Einheit der Flussdichte B.
Richtige Rechnung: Φ = 0,40 T · 2,0 · 10−2 m² · 0,50 = 4,0 · 10−3 Wb = 4,0 mWb
Kontrolle: Das falsche Ergebnis 0,70 liegt um den Faktor 174 daneben — 100 aus der Flächenumrechnung und 1,74 aus dem falschen Kosinus. Wer die Größenordnung abschätzt (B · A ist höchstens 8,0 mWb), sieht den Widerspruch sofort.
Sechs Situationen, drei mögliche Urteile. Fragen Sie sich bei jeder Situation nacheinander: Ändert sich der magnetische Fluss durch die Leiterschleife? Wenn ja: Kann ein Strom fließen? Nur wenn beides zutrifft, wirkt auch eine Kraft und wird Energie umgewandelt.
Ordnen Sie jeder Situation das passende Urteil zu und begründen Sie Ihre Entscheidung jeweils in einem Satz.
Entscheidungsbaum — Situation wählen, dann Urteil zuordnen
Bedienung: Situation anklicken oder mit den Pfeiltasten wählen, dann ein Urteil anklicken bzw. mit Tabulator ansteuern und Enter drücken. Auf einer Situation ordnen die Tasten A, B und C direkt zu.
Musterlösung — alle sechs Begründungen anzeigen
1 → A: Der Magnet ruht, der Fluss durch die Spule bleibt konstant. ΔΦ = 0, also U = 0 — obwohl das Feld in der Spule kräftig ist. Ein starkes Feld allein induziert nichts.
2 → A: Beide bewegen sich gleich schnell, die Relativgeschwindigkeit ist null. Aus Sicht der Spule steht der Magnet still, der Fluss ändert sich nicht.
3 → A: Im homogenen Feld ist B überall gleich groß und gleich gerichtet. Beim Parallelverschieben bleiben B, A und α unverändert — Φ ändert sich nicht.
4 → C: Der Fluss nimmt ab, es wird eine Spannung induziert, und weil der Kreis geschlossen ist, fließt ein Strom. Nach dem Lenzschen Gesetz wirkt er dem Entfernen entgegen: die zugewandte Spulenseite bildet den entgegengesetzten Pol, der Magnet wird festgehalten. Man muss Energie W aufwenden, und genau diese Energie wird zu elektrischer Energie.
5 → B: Der Fluss ändert sich, es wird also eine Spannung induziert — aber der Schlitz unterbricht den Stromkreis. Ohne Strom kein Gegenfeld, ohne Gegenfeld keine Kraft und keine Energieumwandlung. Der geschlitzte Ring wird nicht weggestoßen.
6 → B: Am bewegten Stab trennt die Lorentzkraft F = q · v · B die Ladungen, zwischen den Enden liegt die Spannung U = B · l · v. Solange der Kreis offen ist, fließt kein Strom, und der Stab lässt sich kräftefrei weiterschieben.
Merksatz: Flussänderung → Spannung. Geschlossener Kreis → Strom. Strom → Kraft und Energieumsatz. Fehlt ein Glied, endet die Kette dort.
Ein Stabmagnet fällt durch eine Spule mit N = 600 Windungen und 8,0 cm Länge; er startet 5,0 cm über der Spulenoberkante. Der gemessene Spannungsverlauf zeigt zwei Ausschläge in entgegengesetzter Richtung: U1 = +0,21 V bei t ≈ 0,11 s und U2 = −0,34 V bei t ≈ 0,17 s, dazwischen liegt die Spannung bei 0 V.
Aussage 1: „Der zweite Ausschlag ist höher, weil die Spule den Magneten beim Austreten näher an sich hat.“
Aussage 2: „Er ist höher und schmaler, weil der Magnet inzwischen schneller ist.“
Beurteilen Sie beide Aussagen. Berechnen Sie dazu die Geschwindigkeiten beim Eintauchen und beim Austreten sowie das Verhältnis der Spannungsbeträge und erklären Sie, warum die Nullphase in der Mitte kein Messfehler ist.
U-t-Kurve lesen — Phase anklicken oder mit Pfeiltasten wählen
Bedienung: Phase anklicken oder mit den Pfeiltasten wechseln; Enter bestätigt. Die Anzeige nennt Zeitspanne, Spannungswert und Deutung.
Musterlösung — Beurteilung und Rechnung anzeigen
a) v1 = √(2 · 9,81 m/s² · 0,050 m) = 0,99 m/s
b) Bis zum Austreten ist der Magnet 5,0 cm + 8,0 cm = 0,130 m gefallen: v2 = √(2 · 9,81 m/s² · 0,130 m) = 1,60 m/s
c) |U2| : U1 = 0,34 V : 0,21 V = 1,6 und v2 : v1 = 1,60 : 0,99 = 1,6 — beide Verhältnisse stimmen überein.
Aussage 1 ist falsch. Der Magnet durchquert dieselbe Spule, und beim Austreten ist er nicht „näher“ an ihr als beim Eintauchen. Die Anordnung ist in beiden Durchgängen dieselbe; verändert hat sich allein die Geschwindigkeit.
Aussage 2 ist richtig. Der Magnet ist beim Austreten um den Faktor 1,6 schneller. Dadurch läuft dieselbe Flussänderung in kürzerer Zeit ab: ΔΦ/Δt wird um 1,6 größer, also auch |U| = N · ΔΦ/Δt. Gleichzeitig ist der Vorgang kürzer — der Ausschlag wird schmaler. Höhe mal Breite, also die Fläche unter dem Ausschlag, bleibt praktisch gleich: sie entspricht N · ΔΦ, und die Flussänderung ist bei Eintauchen und Austreten dem Betrag nach dieselbe.
Nullphase: Solange der Magnet vollständig in der Spule steckt, ändert sich der Fluss durch die Windungen kaum — kein ΔΦ, also keine Spannung. Die 0 V in der Mitte sind kein Messfehler, sondern die logische Folge des Induktionsgesetzes.
Vorzeichenwechsel: Beim Eintauchen nimmt der Fluss zu, beim Austreten ab. Nach dem Lenzschen Gesetz kehrt sich die Stromrichtung um — deshalb schlägt die Kurve das zweite Mal nach unten aus.
Wie war es?
Auf AFB III zählt die Begründung genauso viel wie das Ergebnis. Sie haben geübt: fremde Rechenwege prüfen, Aussagen widerlegen, Grenzfälle testen (v = 0, α = 90°, ΔΦ = 0), Energiebilanzen aufstellen und eine Formel aus einer allgemeineren herleiten.
Wie sicher fühlen Sie sich nach diesen 10 Aufgaben?
