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Die Bragg-Reflexion

Für Röntgenstrahlung ist ein Kristall ein natürliches Gitter: Nur unter ganz bestimmten Winkeln wird sie kräftig reflektiert.

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Reflexion an Netzebenen

Röntgenstrahlung trifft auf einen Kristall

Ein optisches Gitter beugt Licht, weil Spaltabstand und Wellenlänge ähnlich groß sind. Für Röntgenstrahlung bräuchte man Abstände von nur wenigen hundert Pikometern – genau so weit liegen die Atome in einem Kristall auseinander.

  • Röntgenstrahlung:Sie ist eine elektromagnetische Welle wie Licht, aber mit sehr kleiner Wellenlänge: typisch 10 pm bis 1 nm (\(1\,\mathrm{pm}=10^{-12}\,\mathrm{m}\)).
  • Kristall:In einem Kristall sitzen die Atome regelmäßig in einem räumlichen Gitter. Für Röntgenstrahlung wirkt er wie ein dreidimensionales Beugungsgitter.
  • Netzebenen:Parallele Ebenen, auf denen Atome liegen, heißen Netzebenen. Benachbarte Netzebenen haben den Netzebenenabstand \(d\), bei Kochsalz z. B. \(282\,\mathrm{pm}\).
  • Glanzwinkel:Der Winkel \(\theta\) zwischen Strahl und Netzebene heißt Glanzwinkel. Er wird zur Netzebene gemessen, nicht zum Lot.
  • Reflexion:Jede Netzebene wirft einen kleinen Teil der Strahlung zurück, wie ein halbdurchlässiger Spiegel mit Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Alle Teilstrahlen interferieren miteinander.

Herleitung:

Vergleiche zwei Teilstrahlen, die an benachbarten Netzebenen reflektiert werden. Der untere Strahl läuft auf dem Hin- und auf dem Rückweg je ein Stück \(d\sin\theta\) weiter.

\(\Delta s=d\sin\theta+d\sin\theta\)
| Hin- und Rückweg
Beide Zusatzstücke sind Gegenkatheten im rechtwinkligen Dreieck mit Hypotenuse \(d\) und Winkel \(\theta\).
\(\Delta s=2d\sin\theta\)
| zusammenfassen
Gangunterschied zweier benachbarter Teilstrahlen.
\(2d\sin\theta=n\cdot\lambda\)
Ergebnis
Verstärkung, wenn der Gangunterschied ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge ist (\(n=1,2,3,\dots\)).
Merke

Bragg-Bedingung:

\(2d\sin\theta=n\cdot\lambda\quad(n=1,2,3,\dots)\)

Bragg-Reflexion: Röntgenstrahlung wird an einem Kristall nur dann kräftig reflektiert, wenn sich die Teilstrahlen aller Netzebenen verstärken. Sonst löschen sie sich aus.

Größen: \(d\) Netzebenenabstand, \(\theta\) Glanzwinkel (zur Netzebene gemessen), \(n\) Ordnung des Reflexes.

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Die Drehkristallmethode

Mit der Bragg-Bedingung kann man Wellenlängen von Röntgenstrahlung messen – oder umgekehrt Abstände in Kristallen. Dazu dreht man den Kristall langsam und sucht die Winkel, unter denen ein Reflex auftritt.

  • Aufbau:Eine Röntgenröhre erzeugt Röntgenstrahlung. Ein schmales Bündel trifft auf einen Kristall, der auf einem Drehtisch sitzt. Ein Zählrohr misst, wie viel Strahlung ankommt (Zählrate).
  • Kopplung:Dreht sich der Kristall um \(\theta\), dreht sich das Zählrohr um \(2\theta\) mit. So steht es immer dort, wohin die Netzebenen reflektieren.
  • Messkurve:Trägt man die Zählrate über \(\theta\) auf, erhält man bei den Bragg-Winkeln \(\theta_1,\theta_2,\dots\) – den Glanzwinkeln, die die Bragg-Bedingung erfüllen – scharfe Spitzen.
  • Auswertung:Bei bekanntem \(d\) folgt die Wellenlänge \(\lambda=\dfrac{2d\sin\theta_n}{n}\); bei bekannter Wellenlänge folgt umgekehrt der Netzebenenabstand.
  • Höchste Ordnung:Weil \(\sin\theta\le 1\) ist, gibt es nur Reflexe mit \(n\le\dfrac{2d}{\lambda}\).

Ziehe das Zählrohr am Kreis entlang – der Kristall dreht sich mit dem halben Winkel mit. Mit ▶ fährst du den ganzen Winkelbereich automatisch ab und zeichnest die Messkurve auf.

Drehkristall und Zählrohr

Zählrohr mit Tab auswählen; Pfeiltasten drehen um 0,1 Grad, mit Umschalttaste um 1 Grad; Pos1 setzt den Startwinkel.

Halte fest: Nur bei wenigen, scharf festgelegten Glanzwinkeln misst das Zählrohr einen Reflex. Ein Kristall mit kleinerem Netzebenenabstand liefert die Reflexe unter größeren Winkeln.

Merke

Drehkristallmethode:

\(\lambda=\dfrac{2d\sin\theta_n}{n}\)

Kopplung: Kristall um \(\theta\) drehen, Zählrohr um \(2\theta\) – das Zählrohr steht unter \(2\theta\) zum einfallenden Strahl.

Messkurve: Die Zählrate hat Spitzen bei den Bragg-Winkeln; Reflexe gibt es nur für \(n\le\dfrac{2d}{\lambda}\).

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Allgemeine Hinweise

Winkel zur Netzebene

Der Glanzwinkel \(\theta\) wird zwischen Strahl und Netzebene gemessen, nicht zum Lot wie bei der Brechung. Ist der Winkel zum Lot gegeben, ist der Glanzwinkel \(90^\circ\) minus dieser Winkel.

Faktor 2 nicht vergessen

Der Gangunterschied enthält Hin- und Rückweg, also \(2d\sin\theta\). Wer nur \(d\sin\theta\) ansetzt, erhält die halbe Wellenlänge.

Zählrohrwinkel halbieren

Gemessen wird oft der Winkel \(2\theta\) zwischen einfallendem Strahl und Zählrohr. Halbiere ihn, bevor du in die Bragg-Bedingung einsetzt.

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