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Videoanalyse: freier Fall

Drei Videos, drei Körper: Tennisball, Sandkugel und Stahlkugel fallen — und die Videoanalyse beantwortet die Frage, von welchen Faktoren der freie Fall (nicht) abhängt.

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Die Fragestellung

Das Werkzeug Videoanalyse kennst du schon. Jetzt setzen wir es auf eine einzige Frage an: Von welchen Faktoren hängt der freie Fall (nicht) ab?

  • Vorwissen:Video aufnehmen, Maßstab festlegen, den Körper Bild für Bild verfolgen, Diagramme erzeugen.
  • Versuch:Drei Körper fallen: Tennisball, Sandkugel und Stahlkugel.
  • Auswahl:Sie unterscheiden sich in Masse, Größe und Material — genau das, was man intuitiv für wichtig hält.
  • Messgrößen:Verglichen werden Bewegungsart, Beschleunigung a und die Strecken nach gleichen Zeiten.

Tennisball

leicht · groß · Filz

Was man naiv erwartet: Er ist der leichteste der drei Körper und hat die größte Oberfläche. Viele vermuten deshalb, er falle am langsamsten.

Sandkugel

mittel · glatt · rot

Was man naiv erwartet: Sie ist schwerer als der Tennisball, aber leichter als Stahl. Also müsste sie in der Mitte liegen — irgendwo zwischen den beiden anderen.

Stahlkugel

schwer · klein · Metall

Was man naiv erwartet: Sie ist die schwerste und dichteste Kugel. Nach der Alltagsvorstellung „schwer fällt schnell“ müsste sie klar gewinnen.

  • Erwartung:Diese Vermutungen sind der Ausgangspunkt, nicht das Ergebnis.
  • Das „nicht“:Das interessanteste Ergebnis eines Experiments kann sein, dass etwas keine Rolle spielt.
Merke

Freier Fall untersucht

Frage: Man untersucht, von welchen Faktoren der freie Fall abhängt und von welchen nicht.

Versuch: Tennisball, Sandkugel und Stahlkugel unterscheiden sich in Masse, Größe und Material; verglichen werden Bewegungsart, Beschleunigung und Strecken.

So erkennst du eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung

Eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung erkennst du an zwei Kennzeichen, nicht an einem.

  • 1. Kennzeichen:Das t-s-Diagramm zeigt eine parabelförmige Kurve.
  • 2. Kennzeichen:Das t-v-Diagramm steigt proportional — eine Gerade durch den Ursprung.
  • Warum beide:Ein kurzer Parabelausschnitt sieht fast gerade aus, und „irgendwie ansteigend“ passt auch zu ungleichmäßiger Beschleunigung.
  • Zusammenhang:Die Fläche unter der v-Geraden ist ein Dreieck — sie wächst quadratisch mit t, daher die Parabel.
tss = ½ · a · t²Kurve — nach oben geöffnete Parabel

1. Kennzeichen — t-s-Diagramm. Die Messpunkte liegen nicht auf einer Geraden, sondern auf einer nach oben gebogenen Kurve. In gleichen Zeitabschnitten werden immer größere Strecken zurückgelegt. Diese Kurve ist eine Parabel, weil s quadratisch von t abhängt.

ΔtΔvtvv = a · tGerade durch den Ursprung — v steigt proportional

2. Kennzeichen — t-v-Diagramm. Dieselbe Bewegung ergibt hier eine Gerade durch den Ursprung: Doppelte Zeit bedeutet doppelte Geschwindigkeit. Genau das meint „steigt proportional“. Die Steigung dieser Geraden ist die Beschleunigung a.

Merke

1. Kennzeichen — die Parabel im t-s-Diagramm:

s = ½ · a · t²

s: Zurückgelegte Strecke in Metern (m).

a: Beschleunigung in m/s².

t: Zeit seit dem Start in Sekunden (s); weil t quadratisch vorkommt, ist die Kurve eine Parabel.

Zwei Kennzeichen: Eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung erkennt man an beiden zusammen: Parabel im t-s-Diagramm und Ursprungsgerade im t-v-Diagramm.

Proportional: Doppelte Zeit bedeutet doppelte Geschwindigkeit; die Beschleunigung ist die Steigung der v-Geraden.

Merke

2. Kennzeichen — die Ursprungsgerade im t-v-Diagramm:

v = a · t   →   a = Δv / Δt

v: Geschwindigkeit in m/s.

a: Beschleunigung, also die Steigung der Geraden im t-v-Diagramm.

Δv / Δt: Steigungsdreieck: Geschwindigkeitsänderung durch Zeitspanne.

2

Die drei Messreihen

Für jeden Körper gibt es dieselbe Auswertung: Bewegungsart, Beschleunigung aus dem t-v-Diagramm und Wertepaare aus dem t-s-Diagramm.

  • Diagramme:Sie laufen genau durch die abgelesenen Wertepaare — keine ideale Rechenkurve.
  • Näherungswerte:Ein halber Kästchenrand ändert den Wert schon in der zweiten Nachkommastelle.
Messreihe 1 — Tennisball
a = 0,65 m/s²

Videosequenz „Tennisball“. Aus dem t-v-Diagramm ergibt sich die Beschleunigung, aus dem t-s-Diagramm werden die Wertepaare näherungsweise abgelesen.

t in ss in m0,00,40,81,21,62,00,250,500,751,001,251,50
Tennisball — abgelesene Wertepaare
Zeit tStrecke s
0,2 s0,25 m
0,5 s0,35 m
1,0 s0,65 m
1,6 s0,98 m
2,0 s1,20 m
Messreihe 2 — Sandkugel
a = 0,6 m/s²

Videosequenz „Sandkugel“. Dieselbe Auswertung, derselbe Aufbau — nur ein anderer Körper.

t in ss in m0,00,40,81,21,62,00,250,500,751,001,251,50
Sandkugel — abgelesene Wertepaare
Zeit tStrecke s
0,2 s0,10 m
0,5 s0,38 m
1,0 s0,70 m
1,6 s1,05 m
2,0 s1,40 m
Messreihe 3 — Stahlkugel
a = 0,1625 m/s²

Videosequenz „Stahlkugel“. Dieselbe Auswertung — nur fällt dieser Körper im Video deutlich langsamer.

t in ss in m0,00,40,81,21,62,00,250,500,751,001,251,50
Stahlkugel — abgelesene Wertepaare
Zeit tStrecke s
0,2 s0,14 m
0,5 s0,33 m
1,0 s0,61 m
1,6 s0,88 m
2,0 s1,02 m

Zur Stahlkugel: Die Messung liefert nur die Werte bei 1,0 s und 2,0 s. Die Werte bei 0,2 s, 0,5 s und 1,6 s sind an der Kurve durch diese beiden Punkte abgelesen — wie beim Tennisball und bei der Sandkugel also Näherungswerte.

  • Gleich:Alle drei Körper zeigen eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung — Parabel und Ursprungsgerade.
  • Verschieden:Nur die Werte für a: 0,65 m/s², 0,6 m/s² und 0,1625 m/s².
Merke

Drei Messreihen

Auswertung: Pro Körper werden die Bewegungsart, die Beschleunigung aus dem t-v-Diagramm und Wertepaare aus dem t-s-Diagramm bestimmt.

Ergebnis: Alle drei Körper bewegen sich gleichmäßig beschleunigt; nur die Werte für \(a\) unterscheiden sich.

Genauigkeit: Die abgelesenen Wertepaare sind Näherungswerte.

Interaktiv 1

Der Falltisch

Die drei Körper des Arbeitsblatts stehen nebeneinander auf gleicher Starthöhe. Ein Druck auf Fallen lassen — und jeder Körper fällt mit genau der Beschleunigung, die in der Videoanalyse gemessen wurde: 0,65 m/s² · 0,6 m/s² · 0,1625 m/s². Die Stroboskop-Markierungen entstehen in gleichen Zeitabständen von 0,4 s, rechts wachsen gleichzeitig die t-s-Kurven. Mit dem Schalter blendest du zusätzlich einen vierten Körper ein, der mit dem theoretischen Wert g = 9,81 m/s² fällt.

Drei Messwerte

Starthöhe — alle Körper starten aus der Ruhe Boden bei s = 1,40 m TennisballSandkugelStahlkugel
t in s s in m
Live-Werte
Körperasv
Tennisball0,65 m/s²0,00 m0,00 m/s
Sandkugel0,6 m/s²0,00 m0,00 m/s
Stahlkugel0,1625 m/s²0,00 m0,00 m/s

Zeit t: 0,00 s. Stroboskop: 0 Marken. Alle Körper stehen bereit.

Halte fest: Die Abstände zwischen zwei Stroboskop-Marken werden bei jedem Körper immer größer — das ist das Erkennungszeichen der gleichmäßig beschleunigten Bewegung. Mit dem Vergleichskörper (g = 9,81 m/s²) zeigt sich: Er ist unten, bevor die drei gemessenen Körper überhaupt richtig losgekommen sind. Diesen Unterschied klärt der Vergleich mit g weiter unten.

Interaktiv 2

Messpunkte auswerten

Jetzt wertest du selbst aus — mit den gemessenen Zahlen. Im ersten Modus wählst du einen Körper, siehst seine abgelesenen Messpunkte im t-s-Diagramm und stellst mit dem Regler einen Wert für a ein: Das Applet zeichnet dazu live die Parabel s = ½ a t² und misst die Passung, also die Summe der Abweichungen zu den Messpunkten. Im zweiten Modus klickst du zwei Punkte im t-v-Diagramm an — daraus entsteht ein Steigungsdreieck, und a = Δv / Δt wird berechnet. So bestimmst du a aus dem t-v-Diagramm.

Parabel anpassen

t in s s in m
0,3 m/s²

eingestelltes a: 0,30 m/s². Passung Σ|Δs|: –. s nach 2,0 s: –. Δt: –. Δv: –. a = Δv / Δt: –. Der Vergleichswert liegt beim Tennisball bei 0,65 m/s². Noch keine zwei Punkte auf der Geraden ausgewählt.

Halte fest: Auch mit dem gemessenen Wert legt sich die Parabel nicht sauber auf alle fünf abgelesenen Punkte. Das ist kein Bedienfehler, sondern eine Beobachtung — und ein Hinweis auf Messunsicherheiten. Notiere dir, an welchen Zeitpunkten die Abweichung am größten ist.

Die drei Körper im Vergleich

Alle drei Körper starten aus der Ruhe. Mit s = ½ · a · t² lässt sich zu jeder Zeit die Strecke berechnen.

Die drei Körper im Vergleich — Strecken berechnet mit s = ½ · a · t²
MerkmalTennisballSandkugelStahlkugel
Bewegungsartgleichmäßig beschleunigtgleichmäßig beschleunigtgleichmäßig beschleunigt
Beschleunigung0,65 m/s²0,6 m/s²0,1625 m/s²
Strecke nach t = 0,1 s0,33 cm0,30 cm0,08 cm
Strecke nach t = 0,2 s1,30 cm1,20 cm0,33 cm
Strecke nach t = 0,3 s2,93 cm2,70 cm0,73 cm
Strecke nach t = 0,4 s5,20 cm4,80 cm1,30 cm
Strecke nach t = 0,5 s8,13 cm7,50 cm2,03 cm
  • Beispiel:Tennisball nach 0,1 s: s = ½ · 0,65 m/s² · (0,1 s)² = 0,00325 m ≈ 0,33 cm.
  • Bewegungsart:Bei allen drei Körpern identisch.
  • Beschleunigung:Die gemessenen Werte unterscheiden sich und liegen alle weit unter \(g\) — das liegt an der Messung (Maßstab, Zeitachse), nicht an den Körpern.
  • Schwer gleich schnell?Ohne nennenswerten Luftwiderstand fallen alle drei Körper mit derselben Fallbeschleunigung \(g\) — Masse, Größe und Material spielen keine Rolle. „Schwer fällt schneller“ ist falsch.
  • Strecken:Sie sind nur eine andere Darstellung der a-Werte: Wo a fast gleich ist, sind auch die Strecken fast gleich.

Vergleich mit g = 9,81 m/s²

Alle drei gemessenen Werte liegen weit unter der Fallbeschleunigung g.

  • Mit g gerechnet:Nach 2,0 s wären es s = ½ · 9,81 m/s² · (2,0 s)² = 19,62 m.
  • Gemessen:Der Tennisball war nach 2,0 s nur 1,20 m gefallen — rund ein Sechzehntel.
  • Ursache:So eine Abweichung liegt nicht am Ball, sondern an der Videoanalyse selbst — etwa am Maßstab oder an der Zeitachse.
  • Fehlerquellen:Nenne zu jeder Abweichung eine Ursache und ob sie den Wert zu groß oder zu klein macht.
Merke

Vergleich der Körper

Strecke: Aus der Ruhe gilt \(s = \tfrac12 \cdot a \cdot t^2\); die Strecken sind nur eine andere Darstellung der \(a\)-Werte.

Erkenntnis: Richtig gemessen fallen alle drei Körper mit derselben Beschleunigung \(g\); die Unterschiede der Messwerte sind Messfehler. „Schwer fällt schneller“ ist falsch.

Vergleich mit \(g\): Alle gemessenen Werte liegen weit unter \(g = 9{,}81\,\mathrm{\frac{m}{s^2}}\); die Ursache liegt in Fehlerquellen der Videoanalyse.

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Allgemeine Hinweise

Drei Stellen, an denen es hier oft klemmt:

Die Parabel ist das Kennzeichen

Eine gebogene Kurve im t-s-Diagramm gibt es nur bei beschleunigter Bewegung. Eine Gerade dort bedeutet gleichförmig.

a kommt aus dem t-v-Diagramm

Ein Steigungsdreieck an der Parabel liefert eine Geschwindigkeit. Für a brauchst du die Gerade im t-v-Diagramm.

Mit g = 9,81 m/s² vergleichen

Dieselbe Größenordnung heißt plausibel. Eine Abweichung um ein Vielfaches gehört in die Fehlerdiskussion.

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