Wann ein einzelner Kern zerfällt, kann niemand vorhersagen. Bei sehr vielen Kernen zusammen lässt sich der Zerfall trotzdem genau angeben.
Wann ein Kern zerfällt, weiß niemand. Trotzdem steht auf jeder Nuklidkarte eine feste Zeit. Wie passt das zusammen?
Genau diesen Verlauf beschreibt die Halbwertszeit.
Halbwertszeit in drei Sätzen:
Nach T1/2 ist noch die Hälfte der Kerne da
Definition: Die Halbwertszeit T1/2 ist die Zeit, nach der nur noch die Hälfte der ursprünglichen Kerne vorhanden ist.
Immer vom Rest: Jede weitere Halbwertszeit halbiert den Rest: die Hälfte, ein Viertel, ein Achtel, …
Feste Größe: T1/2 hängt nur vom Nuklid ab. Temperatur, Druck und Chemie ändern sie nicht.
Halbwertszeit: Das ist die Zeit, nach der die Hälfte der Kerne zerfallen ist. Sie ist für jedes Nuklid fest. Ein einzelner Kern ist unvorhersagbar, bei sehr vielen Kernen ist der Verlauf regelmäßig.
Verlauf: In jeder Halbwertszeit zerfällt die Hälfte des Rests. Die Exponentialkurve fällt erst steil, dann flach und erreicht die Null nie.
Zeitspanne: Kurze T½ bedeutet hohe Aktivität, die Strahlung ist bald vorbei. Lange T½ bedeutet geringe Aktivität, aber das Nuklid strahlt über Jahrtausende.
| n | Anteil | Prozent | von 1000 |
|---|---|---|---|
| 0 | alle | 100 % | 1000 |
| 1 | ½ | 50 % | 500 |
| 2 | ¼ | 25 % | 250 |
| 3 | ⅛ | 12,5 % | 125 |
| 4 | 1/16 | 6,25 % | ≈ 63 |
| 10 | 1/1024 | ≈ 0,1 % | ≈ 1 |
Nach n Halbwertszeiten:
\( N(n\cdot T_{1/2}) \;=\; N(0)\cdot\left(\dfrac{1}{2}\right)^{n} \)
N(0): Anzahl der Kerne zu Beginn.
n: Anzahl der vergangenen Halbwertszeiten.
T1/2: Halbwertszeit in Sekunden, Tagen oder Jahren.
| Nuklid | T1/2 | Einordnung |
|---|---|---|
| Beryllium-8 | 8,2·10−17 s | zerfällt praktisch sofort |
| Radon-222 | 3,8 d | radioaktives Gas in Kellern |
| Kohlenstoff-14 | 5730 a | Altersbestimmung von Fundstücken |
| Plutonium-239 | 24 110 a | Grund für die lange Lagerung von Atommüll |
| Uran-238 | 4,5 Mrd. a | so alt wie die Erde — die Hälfte ist noch da |
| Tellur-128 | 7,7·1024 a | länger als das Alter des Universums |
Kurz und lang sind dabei auf ganz verschiedene Weise ein Problem.
Je nach gewähltem Nuklid läuft die Zeit in Halbwertszeit-Schritten. Links zerfällt bei jedem Schritt etwa die Hälfte der noch vorhandenen 256 Kerne, rechts wächst die Kurve mit. Achte darauf: Der Anteil halbiert sich jedes Mal, die Anzahl der zerfallenden Kerne wird immer kleiner — und beim Nuklidwechsel ändert sich nur die Zeitangabe, nie die Form der Kurve.
Enter oder Pfeil nach rechts geht eine Halbwertszeit weiter, Pfeil nach links einen Schritt zurück.
Halte fest: Die Kurve sieht für jedes Nuklid genau gleich aus — nur die Beschriftung der Zeitachse ändert sich. Beim Beryllium-8 sind nach acht Schritten weniger als 10−15 Sekunden vergangen, beim Tellur-128 mehr als 6·1025 Jahre. Der Zerfall selbst läuft immer nach demselben Muster ab.
Halbiert wird immer der Rest. Nach zwei Halbwertszeiten ist noch ein Viertel da, rechnerisch wird es nie null.
Kleiner wird nur die Anzahl der Zerfälle pro Schritt. Wärme, Druck und Chemie ändern T1/2 nicht.
Die Halbwertszeit gilt für viele Kerne gemeinsam. Ein einzelner Radon-Kern kann sofort oder erst in einem Monat zerfallen.