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Linearfaktoren

Als Summe geschrieben verrät ein Funktionsterm wenig. Als Produkt aus Linearfaktoren zeigt er jede Nullstelle offen — man muss sie nur noch ablesen.

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Ein Produkt aus Linearfaktoren

Neben der Summenform gibt es eine Produktform. An ihr liest du die Nullstellen ohne Rechnung ab.

  • Linearfaktor:ein Faktor \((x-x_{i})\) vom Grad 1; auch \(x=(x-0)\) ist einer.
  • Produktdarstellung:\(f(x)=a\cdot(x-x_{1})\cdot\ldots\cdot(x-x_{n})\) mit \(a\neq 0\).
  • Grad:die Anzahl der Linearfaktoren.
  • Leitkoeffizient:der Faktor \(a\) vor dem Produkt.
Anatomie der Produktdarstellung
f(x) = a ( x − x₁ ) ( x − x₂ ) ( x − x₃ ) Leitkoeffizient a Er streckt oder spiegelt den Graphen, verschiebt aber keine Nullstelle. Linearfaktoren (x − x₁), (x − x₂), (x − x₃) Jeder hat den Grad 1. Jeder steuert genau eine Nullstelle bei — deshalb heißt er Linearfaktor. Die Nullstellen x₁, x₂, x₃ stehen im Faktor — mit umgekehrtem Vorzeichen. Aus (x + 4) wird die Nullstelle x = −4, aus (x − 6) die Nullstelle x = 6. 3 Linearfaktoren also Grad 3 Produktdarstellung: dasselbe f, nur anders aufgeschrieben

Orange der Leitkoeffizient, blau die drei Linearfaktoren, grün die Zahlen, aus denen die Nullstellen entstehen. Wie viele Klammern dastehen, so groß ist der Grad.

Ausmultiplizieren führt zurück zur Standardform. Der umgekehrte Weg ist viel schwerer.

  • Schritt 1:\((x-6)(x+4)=x^{2}+4x-6x-24=x^{2}-2x-24\).
  • Schritt 2:\(x\cdot(x^{2}-2x-24)=x^{3}-2x^{2}-24x\).
  • Ergebnis:Grad 3, Leitkoeffizient 1, Absolutglied 0 wegen des Faktors \(x\).
Merke

Produktdarstellung: \(f(x)=a\cdot(x-x_{1})\cdot(x-x_{2})\cdot\ldots\cdot(x-x_{n})\)

Linearfaktor: ein Faktor \((x-x_{i})\) vom Grad 1; der Grad der Funktion ist die Anzahl der Linearfaktoren.

Leitkoeffizient: der Faktor \(a\neq 0\) vor dem Produkt.

Ausmultiplizieren: Es führt zurück zur Standardform.

Nullstellen direkt ablesen

Ein Produkt ist null, wenn ein Faktor null ist. Also setzt du jeden Faktor einzeln gleich null.

  • Beispiel:\(x\cdot(x-6)\cdot(x+4)=0\) liefert \(x_{1}=0\), \(x_{2}=6\) und \(x_{3}=-4\).
  • Vorzeichen kippt:\((x+4)\) gehört zu \(-4\), \((x-6)\) gehört zu \(6\).
  • Faktor \(a\):ist nie null und ändert keine Nullstelle.
  • Höchstens \(n\):mehr Nullstellen als Linearfaktoren gibt es nicht.
Vom Faktor zur Nullstelle: das Vorzeichen kippt
Jeden Faktor einzeln gleich null setzen Faktor gleich null setzen Nullstelle x x = 0 x₁ = 0 ( x − 6 ) x − 6 = 0 x₂ = 6 ( x + 4 ) x + 4 = 0 x₃ = −4 Plus im Faktor ⇒ Minus bei der Nullstelle. Und umgekehrt.

Drei Faktoren, drei winzige Gleichungen, drei Nullstellen. Beachte die letzte Zeile: Der Faktor \((x+4)\) gehört zur Nullstelle \(-4\), nicht zu \(+4\).

Der Graph von \(f(x)=x\cdot(x-6)\cdot(x+4)\)
x y −2 2 4 40 −40 −80 −4 0 6 Drei Linearfaktoren — drei Schnittpunkte mit der x-Achse

Die Zahlen \(-4\), \(0\) und \(6\) aus den Faktoren finden sich exakt dort wieder, wo der Graph die \(x\)-Achse kreuzt. Zwischen den Nullstellen wechselt der Graph jeweils das Vorzeichen.

Merke

Satz vom Nullprodukt: \(u\cdot v=0\;\Leftrightarrow\;u=0\ \text{oder}\ v=0\)

Nullstellen ablesen: Jeder Faktor wird einzeln gleich null gesetzt; \((x+4)\) gehört zu \(-4\), das Vorzeichen kippt.

Faktor \(a\): Er ist nie null und ändert keine Nullstelle.

Anzahl: Es gibt höchstens so viele Nullstellen wie Linearfaktoren.

Setze bis zu vier Nullstellen und stelle \(a\) ein. Beobachte Produktform (unten im Bild), Standardform (oben rechts), Grad und Graph.

Linearfaktor-Baukasten

x y −5 −3 −1 2 4 + −

Das Diagramm ist mit der Tabulatortaste erreichbar: Pfeiltasten links und rechts verschieben die aktive Nullstelle, Pfeil hoch und runter wechseln sie, die Eingabetaste schaltet sie ein oder aus.

Halte fest: Jede abgeschaltete Nullstelle senkt den Grad um 1. Ein anderes \(a\) verschiebt keine Nullstelle.

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Aus Nullstellen einen Term bauen

Sind die Nullstellen bekannt, schreibst du zu jeder ihren Linearfaktor hin. Dann setzt du \(a\) davor.

  • Schritt 1:zu \(x_{i}\) den Faktor \((x-x_{i})\) bilden, das Vorzeichen kehrt sich um.
  • Schritt 2:alle Faktoren multiplizieren und \(a\) davorsetzen, ohne Vorgabe \(a=1\).
  • Beispiel:Nullstellen \(-2\), \(4\), \(-1{,}5\), \(0{,}5\): \(f(x)=(x+2)(x-4)(x+1{,}5)(x-0{,}5)\), Grad 4.
  • Nicht eindeutig:jedes \(a\neq 0\) passt; erst eine Zusatzbedingung wie ein Funktionswert legt \(a\) fest.
Merke

Term aus Nullstellen: Zu jeder Nullstelle \(x_{i}\) gehört der Linearfaktor \((x-x_{i})\); das Vorzeichen kehrt sich um.

Vorgehen: Alle Faktoren multiplizieren und \(a\) davorsetzen, ohne Vorgabe \(a=1\).

Nicht eindeutig: Jedes \(a\neq 0\) passt; erst eine Zusatzbedingung wie ein Funktionswert legt \(a\) fest.

Wenn ein Faktor kein Linearfaktor ist

Direkt ablesen kannst du nur bei Faktoren der Form \((x-x_{i})\). Sonst formst du zuerst um.

  • Zahl vor \(x\):\(2x+2=2\cdot(x+1)\); die 2 wandert in den Leitkoeffizienten.
  • Grad zu hoch:\(x^{2}-4x=x\cdot(x-4)\).
  • Zusammen:\((x^{2}-4x)(2x+2)=2\cdot x\cdot(x-4)\cdot(x+1)\) mit den Nullstellen \(0\), \(4\), \(-1\).
  • Keine Nullstelle:\(x^{2}+9=0\) hat keine reelle Lösung; \((x^{2}-9)(x^{2}+9)\) hat nur \(3\) und \(-3\).
  • Doppelt:\((x-3)^{2}\) zählt für den Grad zweimal, liefert aber nur \(x=3\).
Drei Faktoren, die erst behandelt werden müssen
Erst umformen, dann ablesen — oder erkennen, dass es nichts abzulesen gibt Zahl vor dem x ( 2x + 2 ) 2 · ( x + 1 ) aus 2x = −2 folgt x = −2 2 = −1 Die 2 wandert in a. Grad zu hoch ( x² − 4x ) x · ( x − 4 ) x ausklammern — daraus werden zwei echte Linearfaktoren. x = 0 und x = 4 Zwei Nullstellen statt einer. keine reelle Nullstelle ( x² + 9 ) x² = −9 Kein Quadrat einer reellen Zahl ist negativ. keine Lösung Dieser Faktor bleibt stehen.

Links und in der Mitte hilft Umformen weiter, rechts nicht: \(x^{2}+9\) lässt sich über den reellen Zahlen nicht in Linearfaktoren zerlegen und trägt keine Nullstelle bei.

Faktoren und ihr Beitrag zu Grad und Nullstellen
FaktorBeispielBeitrag zum GradNullstelle(n)
Linearfaktor\((x-6)\)1\(x=6\)
Linearfaktor mit Zahlfaktor\((2x+2)=2\cdot(x+1)\)1\(x=-1\); die 2 geht in \(a\)
zerlegbarer Faktor\((x^{2}-4x)=x\cdot(x-4)\)2\(x=0\) und \(x=4\)
mehrfacher Linearfaktor\((x-3)^{2}\)2nur \(x=3\), doppelt
ohne reelle Nullstelle\((x^{2}+9)\)2keine

Entscheide für acht Faktoren: schon ein Linearfaktor, erst umformen oder gar keine reelle Nullstelle? Wähle zuerst einen Faktor und danach die passende Schublade.

Nullprodukt-Detektiv

Acht Faktoren — drei Schubladen schon fertig 0 von 2 richtig erst umformen 0 von 5 richtig keine Nullstelle 0 von 1 richtig ein Punkt je Faktor

Pfeiltasten wechseln zwischen den Faktoren, die Eingabetaste wählt aus; die Ziffern 1, 2 und 3 wählen die Schublade.

Wähle zuerst einen Faktor aus und danach die passende Schublade.

Halte fest: Die meisten Faktoren brauchen erst eine Umformung. Nur ein Faktor ohne reelle Nullstelle beendet die Suche.

Merke

Kein Linearfaktor: Direkt ablesen kannst du nur bei Faktoren der Form \((x-x_{i})\); sonst zuerst umformen.

Umformen: Eine Zahl vor \(x\) wandert in den Leitkoeffizienten (\(2x+2=2\cdot(x+1)\)), ein zerlegbarer Faktor wird ausgeklammert (\(x^{2}-4x=x\cdot(x-4)\)).

Mehrfach: \((x-3)^{2}\) zählt für den Grad zweimal, liefert aber nur \(x=3\).

Keine Nullstelle: \(x^{2}+9\) hat keine reelle Lösung.

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Allgemeine Hinweise

Vorzeichen kippt

\((x+4)\) gehört zur Nullstelle \(-4\). Prüfe durch Einsetzen, ob der Faktor null wird.

Zahlfaktor behalten

Beim Ausklammern wandert die Zahl in \(a\). Ohne sie stimmen die Nullstellen, aber nicht die Funktionswerte.

Produktform behalten

Multipliziere nur aus, wenn es verlangt ist. In der Produktform siehst du die Nullstellen sofort.

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