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Die freie Enthalpie

Eine Gleichung, drei Größen — und plötzlich lässt sich vorhersagen, ob eine Reaktion bei 25 °C oder erst im Hochofen von selbst läuft.

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Ein Kriterium nur aus Systemgrößen

  • Anknüpfung:freiwillig, wenn \(\Delta S_{\text{ges}} = \Delta S - \frac{\Delta H}{T} > 0\). Unpraktisch: Man muss immer die Umgebung mitdenken.
  • Idee:die Bedingung so umformen, dass nur Größen des Systems vorkommen.

Herleitung:

\(\Delta S_{\text{ges}} = \Delta S - \dfrac{\Delta H}{T}\)
\(\cdot\,(-T)\)
Kriterium: freiwillig, wenn größer null
\(-T\cdot\Delta S_{\text{ges}} = \Delta H - T\cdot\Delta S\)
Ergebnis
rechte Seite enthält nur Systemgrößen: \(\Delta G\); Multiplikation mit \(-T\) dreht das Vorzeichen: \(\Delta S_{\text{ges}} > 0 \Leftrightarrow \Delta G < 0\)
Merke

Gibbs-Helmholtz-Gleichung: \(\Delta G = \Delta H - T\cdot\Delta S\)

Freie Enthalpie \(G\): Zustandsgröße des Systems; \(\Delta G\) in kJ/mol. Aus \(\Delta S_{\text{ges}} > 0\) folgt: Ein Vorgang ist freiwillig, wenn \(\Delta G < 0\) ist.

Exergonisch/endergonisch: \(\Delta G < 0\): läuft freiwillig ab; \(\Delta G > 0\): läuft nicht freiwillig ab, die Rückreaktion ist exergonisch; \(\Delta G = 0\): keine Richtung bevorzugt.

Grenzlinie: \(\Delta G = 0\) gilt für \(\Delta H = T\cdot\Delta S\).

  • Freie Enthalpie \(G\):Zustandsgröße des Systems (J. W. Gibbs); \(\Delta G\) in kJ/mol.
  • \(\Delta G < 0\) — exergonisch:läuft freiwillig ab, denn dann ist \(\Delta S_{\text{ges}} > 0\).
  • \(\Delta G > 0\) — endergonisch:läuft nicht freiwillig ab; die Rückreaktion ist exergonisch.
  • \(\Delta G = 0\):keine Richtung bevorzugt, z. B. Wasser und Eis bei 0 °C.

Ziehe den orangen Punkt im \(\Delta H\)-\(\Delta S\)-Feld und den Temperatur-Schieber auf der Leiste (oder mit Tab anwählen, Pfeiltasten; Shift für feine Schritte). Grün ist der Bereich, in dem \(\Delta G < 0\) ist — beobachte, wie die Grenze sich mit der Temperatur dreht.

Freiwillig bei welcher Temperatur?

Halte fest: Die Grenzlinie \(\Delta G = 0\) ist die Gerade \(\Delta H = T\cdot\Delta S\). Steigt \(T\), wird sie steiler — Reaktionen mit \(\Delta S > 0\) rutschen in den grünen Bereich, Reaktionen mit \(\Delta S < 0\) hinaus.

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Die Temperatur entscheidet mit

  • Enthalpieterm \(\Delta H\) und Entropieterm \(-T\cdot\Delta S\):je nach Vorzeichen arbeiten sie zusammen oder gegeneinander.
  • \(\Delta H < 0,\ \Delta S > 0\):immer exergonisch.
  • \(\Delta H > 0,\ \Delta S < 0\):nie exergonisch.
  • \(\Delta H < 0,\ \Delta S < 0\):exergonisch bei tiefer Temperatur (enthalpiegetrieben).
  • \(\Delta H > 0,\ \Delta S > 0\):exergonisch bei hoher Temperatur (entropiegetrieben).
Merke

Umschlagtemperatur (\(\Delta G = 0\)): \(T_U = \dfrac{\Delta H}{\Delta S}\)

Vorzeichen: \(\Delta H < 0,\ \Delta S > 0\): immer exergonisch. \(\Delta H > 0,\ \Delta S < 0\): nie exergonisch. \(\Delta H < 0,\ \Delta S < 0\): bei tiefer Temperatur exergonisch. \(\Delta H > 0,\ \Delta S > 0\): bei hoher Temperatur exergonisch.

Näherung: \(\Delta G^\circ(T) \approx \Delta_r H^\circ - T\cdot\Delta_r S^\circ\), da sich \(\Delta H\) und \(\Delta S\) mit \(T\) wenig ändern.

  • Näherung:\(\Delta_r H^\circ\) und \(\Delta_r S^\circ\) ändern sich mit der Temperatur nur wenig: \(\Delta G^\circ(T) \approx \Delta_r H^\circ - T\cdot\Delta_r S^\circ\).
  • Nutzbare Arbeit:\(|\Delta G|\) ist die Energie, die eine exergonische Reaktion höchstens als Arbeit abgeben kann, z. B. elektrisch; der Rest wird als Wärme ausgetauscht.
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Allgemeine Hinweise

Einheiten angleichen

\(\Delta S\) steht in J/(mol·K), \(\Delta H\) in kJ/mol: vor dem Einsetzen \(\Delta S\) durch 1000 teilen und \(T\) in Kelvin angeben — sonst ist \(\Delta G\) um den Faktor 1000 falsch.

Exergonisch heißt nicht schnell

\(\Delta G\) sagt nur, ob eine Reaktion ablaufen kann. Ist die Aktivierungsenergie hoch, passiert trotz \(\Delta G \ll 0\) nichts — z. B. Erdgas an der Luft.

Erst die Vorzeichen

Vor dem Rechnen die Vorzeichen von \(\Delta H\) und \(\Delta S\) notieren: Dann ist sofort klar, ob die Temperatur überhaupt eine Rolle spielt.

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