Potenzfunktionen — Regeln beweisen statt anwenden
Hier geht es nicht mehr ums Rechnen allein: Du sollst verallgemeinern und reflektieren — Regeln beweisen statt anwenden, Aussagen mit Gegenbeispielen widerlegen, Modelle beurteilen und ihre Grenzen benennen. Zehn Aufgaben quer durch das Thema, fünf interaktiv, fünf im Klausurformat mit Hinweis und Erwartungshorizont.
Betrachtet wird \(f(x)=x^{n}\) für beliebiges \(n\in\mathbb{Z}\setminus\{0\}\) — der Exponent ist also nicht festgelegt.
Markiere alle Aussagen, die für jedes zulässige \(n\) gelten.
Auf der Erklärseite steht die Symmetrieregel als Merksatz. In dieser Aufgabe wird sie bewiesen. Grundlage ist die Rechenregel $$(-x)^{n}=(-1)^{n}\cdot x^{n}\qquad\text{für alle } n\in\mathbb{N}.$$ Zur Erinnerung: Ein Graph heißt achsensymmetrisch zur \(y\)-Achse, wenn \(f(-x)=f(x)\) für alle \(x\in D_{f}\) gilt, und punktsymmetrisch zum Ursprung, wenn \(f(-x)=-f(x)\) gilt.
- Zeige allgemein, dass der Graph von \(f(x)=x^{n}\) für gerades \(n\) achsensymmetrisch zur \(y\)-Achse ist.
- Begründe warum aus derselben Rechenregel für ungerades \(n\) die Punktsymmetrie zum Ursprung folgt.
- Beurteile die Aussage einer Mitschülerin: „Der Graph von \(g(x)=x^{4}+x^{3}\) ist achsensymmetrisch, weil beide Summanden Potenzen von \(x\) sind.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Sei \(n=2k\) mit \(k\in\mathbb{N}\), also \(n\) gerade. Dann gilt für jedes \(x\in\mathbb{R}\):
$$f(-x)=(-x)^{n}=(-1)^{n}\cdot x^{n}=(-1)^{2k}\cdot x^{n}=\left((-1)^{2}\right)^{k}\cdot x^{n}=1^{k}\cdot x^{n}=x^{n}=f(x)$$
Damit ist \(f(-x)=f(x)\) für alle \(x\in D_{f}=\mathbb{R}\) gezeigt — der Graph ist achsensymmetrisch zur \(y\)-Achse. Entscheidend war allein, dass \((-1)\) in gerader Anzahl auftritt und sich die Minuszeichen paarweise aufheben.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Sei nun \(n=2k+1\) ungerade. Dann ist \((-1)^{2k+1}=(-1)^{2k}\cdot(-1)^{1}=1\cdot(-1)=-1\) und folglich
$$f(-x)=(-1)^{n}\cdot x^{n}=-x^{n}=-f(x).$$
Das ist genau die Bedingung für Punktsymmetrie zum Ursprung. Beide Fälle stammen also aus einer Quelle: dem Faktor \((-1)^{n}\). Er ist \(+1\) bei geradem und \(-1\) bei ungeradem Exponenten — mehr steckt hinter der Symmetrieregel nicht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Aussage ist falsch. Gegenbeispiel: \(g(1)=1^{4}+1^{3}=2\), aber \(g(-1)=(-1)^{4}+(-1)^{3}=1-1=0\). Wegen \(g(-1)\neq g(1)\) ist der Graph nicht achsensymmetrisch; wegen \(g(-1)=0\neq -2=-g(1)\) auch nicht punktsymmetrisch.
Der Denkfehler liegt in der Begründung: Symmetrie hängt nicht davon ab, dass Potenzen auftreten, sondern davon, ob alle auftretenden Exponenten dieselbe Parität haben. Hier mischt \(g\) einen geraden und einen ungeraden Exponenten — die beiden Symmetrien heben einander auf, und es bleibt keine übrig.
Fünf Aussagen zu Potenz-, Exponential- und Logarithmusfunktionen. Entscheide bei jeder, ob sie allgemein gilt.
Bewerte jede Aussage und lies danach die Begründung.
