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Objektorientierte Modellierung

Zehn offene Aufgaben: Entwürfe mit Assoziation und Vererbung bewerten, erweitern und begründen — oft ist mehr als eine Lösung richtig.

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Aufgabenblock — AFB III

Entwerfen statt nur nachvollziehen: Modelle für neue Anforderungen erweitern, Vererbungshierarchien und Beziehungsrichtungen bewerten, Kapselungsentscheidungen beurteilen und Entwürfe begründet verwerfen. Formuliere deine Antwort vollständig, bevor du die Lösung aufklappst — oft sind auch andere gut begründete Entwürfe richtig.

A1
Modell erweitern: Hotelzimmer mit mehreren Gästen
AFB III

Bisher kann ein Hotelzimmer nur einen Gast aufnehmen:

Zimmer
  • - nummer: Ganzzahl
  • - betten: Ganzzahl
  • - gast: Gast
  • c Zimmer(nummer: Ganzzahl, betten: Ganzzahl)
  • + einchecken(g: Gast): Wahrheitswert
  • + auschecken()
  • + istFrei(): Wahrheitswert
belegt von0..10..1
Gast
  • - name: Zeichenkette
  • c Gast(name: Zeichenkette)
  • + getName(): Zeichenkette
public boolean einchecken(Gast g) {
    if (gast == null) {
        gast = g;
        return true;
    }
    return false;
}

Neue Anforderung: In einem Zimmer dürfen so viele Gäste wohnen, wie es Betten hat. Die Rezeption möchte außerdem zu einem Gastnamen die Zimmernummer finden (Klasse Hotel mit einer Reihung aller Zimmer).

Erweitern Sie das Klassendiagramm und implementieren Sie die geänderte Klasse Zimmer sowie in Hotel die Methode findeZimmerVon(name: Zeichenkette): Ganzzahl (−1, wenn der Gast nicht im Hotel ist). Begründen Sie Ihre Entscheidung, ob Gast sein Zimmer kennen soll.

Ansatz: Aus „ein Gast“ wird „bis zu betten Gäste“: Ersetze das Attribut gast durch eine Reihung vom Typ Gast und einen Zähler belegung. Die Länge der Reihung übernimmt die Rolle von betten.
Suche: Hotel läuft über alle Zimmer (mit Null-Prüfung), jedes Zimmer prüft mit einer eigenen Methode, ob der Name bei ihm wohnt. So muss Hotel die Reihung im Zimmer nicht kennen.
Richtung: Wenn auch der Gast sein Zimmer kennt, müssen beim Ein- und Auschecken zwei Referenzen konsistent gehalten werden. Lohnt sich das hier?
Vollständige Lösung
Hotel
  • - zimmer: Reihung vom Typ Zimmer
  • c Hotel(anzahlZimmer: Ganzzahl)
  • + findeZimmerVon(name: Zeichenkette): Ganzzahl
hat1*
Zimmer
  • - nummer: Ganzzahl
  • - gaeste: Reihung vom Typ Gast
  • - belegung: Ganzzahl
  • c Zimmer(nummer: Ganzzahl, betten: Ganzzahl)
  • + getNummer(): Ganzzahl
  • + einchecken(g: Gast): Wahrheitswert
  • + auschecken()
  • + istFrei(): Wahrheitswert
  • + getBelegung(): Ganzzahl
  • + wohntHier(name: Zeichenkette): Wahrheitswert
belegt von0..1*
Gast
  • - name: Zeichenkette
  • c Gast(name: Zeichenkette)
  • + getName(): Zeichenkette
public class Zimmer {
    private int nummer;
    private Gast[] gaeste;
    private int belegung;

    public Zimmer(int nummer, int betten) {
        this.nummer = nummer;
        gaeste = new Gast[betten];
        belegung = 0;
    }

    public int getNummer() {
        return nummer;
    }

    public boolean einchecken(Gast g) {
        if (g == null || belegung == gaeste.length) {
            return false;
        }
        gaeste[belegung] = g;
        belegung = belegung + 1;
        return true;
    }

    public void auschecken() {
        for (int i = 0; i < belegung; i++) {
            gaeste[i] = null;
        }
        belegung = 0;
    }

    public boolean istFrei() {
        return belegung == 0;
    }

    public int getBelegung() {
        return belegung;
    }

    public boolean wohntHier(String name) {
        for (int i = 0; i < belegung; i++) {
            if (gaeste[i].getName().equals(name)) {
                return true;
            }
        }
        return false;
    }
}
public int findeZimmerVon(String name) {
    for (int i = 0; i < zimmer.length; i++) {
        if (zimmer[i] != null && zimmer[i].wohntHier(name)) {
            return zimmer[i].getNummer();
        }
    }
    return -1;
}

Die öffentliche Schnittstelle von Zimmer bleibt bis auf zwei neue Methoden gleich — Programmteile, die nur einchecken und istFrei nutzen, müssen nicht geändert werden. Das Attribut betten entfällt, weil gaeste.length dieselbe Information enthält (keine doppelte Datenhaltung).

Gast kennt Zimmer? Nicht nötig: Die einzige Anfrage „Wo wohnt X?“ beantwortet Hotel durch Suchen. Eine zweite Referenz müsste bei jedem Ein- und Auschecken mitgepflegt werden und könnte inkonsistent werden. Erst wenn sehr häufig vom Gast aus gefragt wird (z. B. Zimmerrechnung vom Gastprofil aus), wäre die Gegenrichtung sinnvoll.

A2
Ist ein Quadrat ein Rechteck?
AFB III

Für ein Geometrieprogramm schlägt ein Teammitglied vor, Quadrat als Unterklasse von Rechteck zu modellieren — „ein Quadrat ist schließlich ein Rechteck“. Damit ein Quadrat quadratisch bleibt, setzen die überschriebenen Setter jeweils beide Seiten.

Rechteck
  • # breite: Fließkommazahl
  • # hoehe: Fließkommazahl
  • + setBreite(b: Fließkommazahl)
  • + setHoehe(h: Fließkommazahl)
  • + flaeche(): Fließkommazahl
Quadrat
    • + setBreite(b: Fließkommazahl)
    • + setHoehe(h: Fließkommazahl)

    Eine andere Klasse enthält die Methode:

    public static boolean pruefe(Rechteck r) {
        r.setBreite(4);
        r.setHoehe(5);
        return r.flaeche() == 20;
    }

    Bewerten Sie den Entwurf. Beziehen Sie den Aufruf pruefe(new Quadrat()) ein und schlagen Sie eine Alternative vor.

    Ansatz: Verfolge pruefe(new Quadrat()): Welche Setter laufen, welche Fläche entsteht?
    Erwartung: Wer mit einer Rechteck-Variable arbeitet, erwartet, dass sich Breite und Höhe unabhängig setzen lassen.
    Alternative: Braucht man überhaupt veränderbare Seiten? Oder eine gemeinsame, allgemeinere Oberklasse?
    Vollständige Lösung

    Ablauf: Wegen dynamischer Bindung laufen die Setter des Quadrats: setBreite(4) setzt beide Seiten auf 4, setHoehe(5) beide auf 5. Die Fläche ist 25, pruefe liefert false — obwohl die Methode für jedes „echte“ Rechteck true liefert.

    Bewertung: Mathematisch ist ein Quadrat ein Rechteck, im Programm aber nicht: Ein Rechteck-Objekt verspricht, dass Breite und Höhe unabhängig veränderbar sind. Das Quadrat bricht dieses Versprechen. Jede Methode, die mit Rechteck arbeitet, kann durch ein Quadrat überrascht werden — Polymorphie wird zur Fehlerquelle. Der ist-ein-Test reicht also nicht, wenn die Unterklasse das Verhalten der Oberklasse einschränkt.

    Alternative: gemeinsame Oberklasse Form mit flaeche(); Rechteck (zwei Seiten) und Quadrat (eine Seite) als Geschwister. Oder unveränderliche Objekte ohne Setter — dann ist ein Quadrat gefahrlos ein Rechteck.

    A3
    Kapselung beurteilen: Getränkeautomat
    AFB III

    Für einen Getränkeautomaten in der Schule schlägt ein Teammitglied diese Klasse vor:

    Getraenkeautomat
    • - preis: Ganzzahl
    • - bestand: Ganzzahl
    • - guthaben: Ganzzahl
    • - einnahmen: Ganzzahl
    • c Getraenkeautomat()
    • + getPreis(): Ganzzahl
    • + setPreis(preis: Ganzzahl)
    • + getBestand(): Ganzzahl
    • + setBestand(bestand: Ganzzahl)
    • + getGuthaben(): Ganzzahl
    • + setGuthaben(guthaben: Ganzzahl)
    • + getEinnahmen(): Ganzzahl
    • + setEinnahmen(einnahmen: Ganzzahl)

    Anforderungen: Der Automat fasst höchstens 40 Flaschen, nimmt nur Münzen zu 10, 20, 50, 100 und 200 Cent an, Preise sind Vielfache von 10 Cent. Nur der Hausmeister leert die Kasse.

    Beurteilen Sie den Entwurf im Hinblick auf die Datenkapselung. Schlagen Sie eine verbesserte Schnittstelle vor und implementieren Sie sie.

    Ansatz: Alle Attribute sind privat — formal gekapselt. Frage aber bei jedem Setter: Welche ungültigen Zustände kann man von außen damit herstellen?
    Idee: Ersetze „Werte setzen“ durch Vorgänge aus der Wirklichkeit: Flaschen nachfüllen, Münze einwerfen, Getränk kaufen, Kasse leeren.
    Prüfungen: Wer prüft die Kapazität, die Münzsorte, den Preis? Genau diese Methoden.
    Vollständige Lösung

    Urteil: Der Entwurf ist nur scheinbar gekapselt. Private Attribute mit ungeprüften Settern für alles verhalten sich praktisch wie öffentliche Attribute: setGuthaben(5000) erzeugt Geld aus dem Nichts, setBestand(-3) oder setBestand(99) einen unmöglichen Bestand, setEinnahmen(0) lässt Geld verschwinden. Außerdem gehen fachliche Zusammenhänge verloren: Ein Kauf muss Bestand, Guthaben und Einnahmen gemeinsam ändern — mit einzelnen Settern ist das Sache des Aufrufers und damit fehleranfällig.

    Getraenkeautomat
    • - preis: Ganzzahl
    • - bestand: Ganzzahl
    • - guthaben: Ganzzahl
    • - einnahmen: Ganzzahl
    • - kapazitaet: Ganzzahl
    • c Getraenkeautomat(preis: Ganzzahl, kapazitaet: Ganzzahl)
    • + setPreis(preis: Ganzzahl)
    • + nachfuellen(flaschen: Ganzzahl): Ganzzahl
    • + einwerfen(muenze: Ganzzahl): Wahrheitswert
    • + kaufen(): Wahrheitswert
    • + rueckgabe(): Ganzzahl
    • + kassieren(): Ganzzahl
    • + getPreis(): Ganzzahl
    • + getBestand(): Ganzzahl
    • + getGuthaben(): Ganzzahl
    public class Getraenkeautomat {
        private int preis;
        private int bestand;
        private int guthaben;
        private int einnahmen;
        private int kapazitaet;
    
        public Getraenkeautomat(int preis, int kapazitaet) {
            this.preis = 150;
            setPreis(preis);
            this.kapazitaet = kapazitaet;
            bestand = 0;
            guthaben = 0;
            einnahmen = 0;
        }
    
        public void setPreis(int preis) {
            if (preis > 0 && preis % 10 == 0) {
                this.preis = preis;
            }
        }
    
        public int nachfuellen(int flaschen) {
            int passt = kapazitaet - bestand;
            if (flaschen > passt) {
                flaschen = passt;
            }
            if (flaschen > 0) {
                bestand = bestand + flaschen;
                return flaschen;
            }
            return 0;
        }
    
        public boolean einwerfen(int muenze) {
            if (muenze == 10 || muenze == 20 || muenze == 50 || muenze == 100 || muenze == 200) {
                guthaben = guthaben + muenze;
                return true;
            }
            return false;
        }
    
        public boolean kaufen() {
            if (bestand > 0 && guthaben >= preis) {
                bestand = bestand - 1;
                guthaben = guthaben - preis;
                einnahmen = einnahmen + preis;
                return true;
            }
            return false;
        }
    
        public int rueckgabe() {
            int betrag = guthaben;
            guthaben = 0;
            return betrag;
        }
    
        public int kassieren() {
            int betrag = einnahmen;
            einnahmen = 0;
            return betrag;
        }
    
        public int getPreis() {
            return preis;
        }
    
        public int getBestand() {
            return bestand;
        }
    
        public int getGuthaben() {
            return guthaben;
        }
    }

    Nur setPreis bleibt als Setter — mit Prüfung. Kein Getter für einnahmen: Der Betrag wird nur beim Leeren durch kassieren() herausgegeben. Dass nur der Hausmeister kassieren darf, lässt sich mit Sichtbarkeiten nicht ausdrücken — das muss die Bedienoberfläche regeln (z. B. Schlüsselschalter). Im Konstruktor wird zuerst ein Standardpreis gesetzt, damit ein ungültiger Startpreis nicht zu 0 führt.