MINT üben

Automaten und formale Sprachen

Entwerfen, beweisen, erörtern: Hier entscheiden Ihre Begründungen — vom Kellerautomaten bis zur mehrdeutigen Grammatik.

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Aufgabenblock — AFB III

Begründen statt nur ausführen: Grammatiken und Kellerautomaten entwerfen, Behauptungen widerlegen, Grenzen beweisen, Vorschläge bewerten. Formulieren Sie Ihre Antwort vollständig, bevor Sie die Musterlösung aufklappen.

A1
Kommazahlen mit Vorzeichen
AFB III

Eine Kommazahl besteht aus einem optionalen Vorzeichen v, mindestens einer Ziffer z und optional einem Komma k, auf das mindestens eine Ziffer folgt, z. B. z, vzz, zkz, vzkzz. Entwerfen Sie eine reguläre Grammatik über T = {v, z, k}, geben Sie die Bedeutung jedes Nichtterminals an und testen Sie mit gültigen und ungültigen Wörtern.

Strategie: Gehen Sie das Wort von links nach rechts durch und fragen Sie nach jedem Teilstück: Was ist schon da, was darf noch kommen?Warum so? Jede Stelle, an der andere Zeichen erlaubt sind, braucht ein eigenes Nichtterminal.
Lösungsskizze: S → vA | zB, A → zB, B → zB | kC | ε, C → zD, D → zD | ε.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)
N = {S, A, B, C, D}
T = {v, z, k}
Startsymbol: S
Produktionsregeln:
S → vA | zB
A → zB
B → zB | kC | ε
C → zD
D → zD | ε
NichtterminalBedeutung
Snoch nichts erzeugt
AVorzeichen erzeugt, Ziffer fehlt
Bmindestens eine Ziffer vor dem Komma — fertig möglich
CKomma erzeugt, Ziffer fehlt
Dmindestens eine Ziffer nach dem Komma — fertig möglich
TestwortErgebnis
vzkzzS ⇒ vA ⇒ vzB ⇒ vzkC ⇒ vzkzD ⇒ vzkzzD ⇒ vzkzz ✓
zS ⇒ zB ⇒ z ✓
vnach vA keine ε-Regel ✗
zknach zkC keine ε-Regel ✗
zkzkzD hat keine Regel mit k ✗
kzS hat keine Regel mit k ✗

ε-Regeln nur bei B und D — genau dort darf die Zahl enden.

A2
Kontextfrei heißt nicht regulär
AFB III

Jemand behauptet: „Jede Sprache, die eine kontextfreie Grammatik erzeugt, erkennt auch ein DEA — man braucht nur genug Zustände.“ Widerlegen Sie die Behauptung.

Strategie: Ein einziges Gegenbeispiel genügt: eine kontextfreie Grammatik, deren Sprache kein DEA erkennt.Warum so? Eine Allaussage ist falsch, sobald ein Fall sie verletzt.
Lösungsskizze: S → aSb | ε erzeugt {aⁿbⁿ | n ≥ 0}; Schubfach mit aⁱ und aʲ, dann bⁱ anhängen.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Gegenbeispiel: G mit S → aSb | ε ist kontextfrei und erzeugt \(L=\{a^nb^n\mid n\ge 0\}\).

Kein DEA: Hätte ein DEA k Zustände, würden zwei der Vorgeschichten \(a^0,\dots,a^k\), etwa \(a^i\) und \(a^j\) mit \(i<j\), im selben Zustand enden. Dann behandelt er \(a^ib^i\in L\) und \(a^jb^i\notin L\) gleich — Widerspruch. „Genug Zustände“ hilft nicht, weil das Argument für jedes k gilt.

Also: Jede reguläre Sprache ist kontextfrei, aber nicht umgekehrt.

A3
a hoch n, b hoch 2n
AFB III

Beweisen Sie, dass kein DEA die Sprache \(L=\{a^nb^{2n}\mid n\ge 0\}\) erkennt.

Strategie: Widerspruchsbeweis mit dem Schubfachprinzip wie bei \(a^nb^n\).Warum so? Ein DEA kann nur endlich viele Vorgeschichten unterscheiden.
Lösungsskizze: Annahme k Zustände → \(a^0..a^k\) → \(a^i, a^j\) gleicher Zustand → \(b^{2i}\) anhängen → Widerspruch.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Annahme: Ein DEA A mit k Zuständen erkennt L.

Schubfach: Die k + 1 Vorgeschichten \(a^0, a^1, \dots, a^k\) enden in nur k Zuständen; zwei davon, \(a^i\) und \(a^j\) mit \(i<j\), im selben Zustand z.

Gleiches Urteil: Ab z liest A bei \(a^ib^{2i}\) und \(a^jb^{2i}\) dieselben Zeichen, endet also im selben Zustand — beide werden akzeptiert oder beide abgelehnt.

Widerspruch: \(a^ib^{2i}\in L\), aber \(a^jb^{2i}\notin L\), da \(2i\ne 2j\). Die Annahme ist falsch: Kein DEA erkennt L. (Ein Kellerautomat schafft es, siehe S → aSbb | ε.)