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Kinetik und Gleichgewicht

Zehn Aufgaben zum Begründen und Bewerten — hier zählt das Warum hinter Geschwindigkeit und Gleichgewicht.

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Aufgabenblock — AFB III

Beurteilen, erklären, Stellung nehmen: Formulieren Sie Ihre Antwort zuerst selbst, bevor Sie die Musterlösung aufklappen.

A1
Konstante Geschwindigkeit?
AFB III

Beurteilen Sie die Aussage: „Bei der Reaktion von Magnesium mit Salzsäure entstehen in \(90\,\mathrm{s}\) insgesamt \(58\,\mathrm{mL}\) Wasserstoff. Die Reaktionsgeschwindigkeit beträgt also während der ganzen Reaktion \(0{,}64\,\mathrm{mL\,s^{-1}}\).“

Hinweis: Vergleichen Sie im Diagramm die Steigung am Anfang und am Ende.

Strategie: Unterscheiden Sie zwischen mittlerer Geschwindigkeit (Sekante) und Geschwindigkeit zu einem Zeitpunkt (Tangente) und begründen Sie den Kurvenverlauf mit der Konzentration.Warum so? Eine Beurteilung braucht ein Kriterium — hier: Was bedeutet die Steigung eines V-t-Diagramms?
Lösungsskizze: \(0{,}64\,\mathrm{mL\,s^{-1}}\) ist nur der Mittelwert (Sekante); Tangente am Anfang steiler, am Ende flacher; Ursache: \(c(\ce{HCl})\) sinkt → weniger Zusammenstöße.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Die Rechnung \(58\,\mathrm{mL}:90\,\mathrm{s}\approx0{,}64\,\mathrm{mL\,s^{-1}}\) liefert nur die mittlere Reaktionsgeschwindigkeit, also die Steigung der Sekante zwischen Anfang und Ende. Die Aussage „während der ganzen Reaktion“ ist falsch.

Die Kurve ist am Anfang steil und wird immer flacher: Die Geschwindigkeit zu einem Zeitpunkt (Tangentensteigung) nimmt ab. Ursache ist die sinkende Konzentration der Salzsäure (und die kleiner werdende Magnesiumoberfläche): Pro Sekunde gibt es immer weniger Zusammenstöße zwischen \(\ce{H3O+}\)-Ionen und Magnesiumatomen. Anfangs ist die Geschwindigkeit also größer, am Ende kleiner als \(0{,}64\,\mathrm{mL\,s^{-1}}\).

03060900204060t in sV(H₂) in mLTangenteSekante 0–90 s
Tangente (Zeitpunkt) und Sekante (Mittelwert)
A2
Mehlstaub-Explosion
AFB III

In einer Mühle kann aufgewirbelter Mehlstaub explodieren, während ein Mehlhaufen nur langsam verkohlt, wenn man ihn anzündet. Erklären Sie diesen Unterschied mit dem Zerteilungsgrad und der Stoßtheorie.

Hinweis: Bei gleicher Masse: Wo können Sauerstoffmoleküle das Mehl erreichen?

Strategie: Die Oberfläche als Ort der Zusammenstöße benennen und die Kette Oberfläche → Stoßzahl → Geschwindigkeit → Wärmefreisetzung aufbauen.Warum so? „Erklären“ heißt, die Beobachtung auf eine Gesetzmäßigkeit zurückzuführen — hier auf wirksame Stöße pro Zeit.
Lösungsskizze: fein verteilt: riesige Oberfläche, jedes Teilchen von Luft umgeben → sehr viele Stöße mit \(\ce{O2}\) pro Sekunde → schnelle Reaktion; Wärme kann nicht abgeführt werden → Temperatur steigt → noch schneller.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Mehl reagiert mit Sauerstoff nur an seiner Oberfläche. Im Haufen ist die Oberfläche klein, die meisten Teilchen liegen innen und haben keinen Kontakt zur Luft. Als Staub ist jedes Mehlteilchen von Luft umgeben — der Zerteilungsgrad und damit die Oberfläche sind enorm groß.

Nach der Stoßtheorie steigt damit die Zahl der Zusammenstöße zwischen Mehl- und Sauerstoffteilchen pro Zeit, also auch die Zahl der wirksamen Stöße: Die Reaktion wird sehr schnell. Die frei werdende Wärme erhöht die Temperatur, wodurch der Anteil der Teilchen mit ausreichender Energie weiter wächst — die Reaktion beschleunigt sich selbst bis zur Explosion.

A3
Warum wirkt die Temperatur so stark?
AFB III

Eine Temperaturerhöhung von \(20\,{}^\circ\mathrm{C}\) auf \(30\,{}^\circ\mathrm{C}\) erhöht die Zahl der Zusammenstöße zwischen den Teilchen nur um etwa \(2\,\%\), die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppelt sich aber oft. Erläutern Sie diesen Widerspruch mithilfe der Energieverteilung der Teilchen.

Hinweis: Nicht jeder Zusammenstoß führt zur Reaktion.

Strategie: Zwischen allen Stößen und wirksamen Stößen unterscheiden; beschreiben, wie sich die Energieverteilung beim Erwärmen verändert.Warum so? Der Widerspruch löst sich nur auf, wenn man erkennt, welche Größe sich wirklich stark ändert.
Lösungsskizze: wirksam: \(E\ge E_A\) und passende Orientierung; Verteilungskurve wird flacher und breiter; Anteil über \(E_A\) wächst stark (etwa verdoppelt) → \(v\) verdoppelt.
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Musterlösung: Nach der Stoßtheorie reagieren nur Teilchen, die mit ausreichender Energie (mindestens der Aktivierungsenergie \(E_A\)) und in geeigneter Orientierung zusammenstoßen — wirksame Stöße. Die Gesamtzahl der Stöße wächst beim Erwärmen um \(10\,\mathrm{K}\) nur wenig, weil die Teilchen nur etwas schneller werden.

Die Energieverteilung verschiebt sich aber zu höheren Energien: Der kleine Anteil der Teilchen, deren Energie über \(E_A\) liegt, wächst dabei überproportional — etwa auf das Doppelte. Deshalb verdoppelt sich die Zahl der wirksamen Stöße und damit die Reaktionsgeschwindigkeit, obwohl die Stoßzahl insgesamt kaum steigt.