Wenn das Kind trinkt
AFB I–IIBeim Stillen fließt die Milch nicht sofort: Erst eine halbe bis eine Minute nach dem Anlegen setzt der Milchfluss ein („Milchspendereflex“). M1 zeigt die beteiligten Strukturen, M2 den Zeitbedarf der Teilschritte, M3 enthält zwei Beobachtungen.
| Teilschritt | Dauer |
|---|---|
| Erregungsleitung in sensorischen Nervenfasern bis zum Hypothalamus (Strecke ≈ 0,5 m, ≈ 50 m/s) | ≈ 0,01 s |
| Saugen, bis die neurosekretorischen Zellen gemeinsam eine Salve von Aktionspotenzialen bilden | ≈ 10–40 s |
| Freisetzung von Oxytocin im Hinterlappen nach Beginn der Salve | ≈ 2–4 s |
| Transport von Oxytocin im Blut bis zur Brustdrüse | ≈ 10–20 s |
| Kontraktion der Myoepithelzellen bis zum Milchfluss | ≈ 5–10 s |
(1) Bei vielen stillenden Müttern setzt der Milchfluss bereits ein, wenn sie ihr Kind schreien hören — noch bevor es angelegt ist. (2) In einer klassischen Studie (NEWTON & NEWTON, 1948) wurde eine Mutter beim Stillen abgelenkt und unangenehmen Reizen ausgesetzt. Ihr Kind trank dann deutlich weniger Milch. Erhielt sie unter denselben Bedingungen eine Oxytocin-Injektion, trank das Kind fast so viel wie ohne Störung.
- Beschreiben Sie anhand von M1 den Ablauf des Milchspendereflexes.
- Vergleichen Sie den neuronalen und den hormonellen Abschnitt des Reflexes anhand von M1 und M2 hinsichtlich Geschwindigkeit und Art der Adressierung.
- Oxytocin löst auch Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur aus. Erklären Sie, warum Frauen in den ersten Tagen nach der Geburt beim Stillen häufig Kontraktionen der Gebärmutter („Nachwehen“) spüren.
- Deuten Sie die Beobachtungen (1) und (2) aus M3.
